Der häufigste Fehler in der Telefonakquise ist nicht der falsche Satz. Es ist, den Grund für den Anruf zu kennen und ihn nicht auszusprechen, aus Sorge, es klinge nach Recherche. Dabei ist genau das der Unterschied zwischen diesem Anruf und jedem anderen, den Ihr Gesprächspartner heute bekommt.
01, Die Einordnung
Ein Einstieg ist kein Text zum Ablesen. Er ist eine Reihenfolge. Wer die Reihenfolge kennt, formuliert im Gespräch selbst und klingt dabei wie ein Mensch statt wie eine Vorlage.
Name und Haus, in einem Satz, ohne Funktionsbezeichnung. Wer hier länger braucht, hat das Gespräch schon verloren.
Der Anlass, im Klartext, mit dem Vorgang und dem Zeitpunkt. Das ist der Teil, den fast alle auslassen und der einzige, den der andere nicht schon kennt.
Nicht das Produkt. Die Frage, die Sie stellen möchten. Und wie lange das dauert, bevor der andere danach fragen muss.
Eine offene Frage, die eine echte Antwort zulässt. Keine Ja-Nein-Frage, die wird im deutschen B2B zuverlässig mit Nein beantwortet.
Was in keinem dieser Sätze vorkommt: eine Erfolgsgarantie, eine Zahl ohne Bezugsrahmen, ein Superlativ. Werbung mit garantiertem Erfolg ist untersagt, weil der Erfolg wesentlich vom Kunden abhängt (OLG Hamm 4 U 171/12) und Wettbewerber sind abmahnbefugt. Am Telefon ist das dieselbe Regel wie auf der Website.
02, Das Werkzeug
Jeder Einstieg gehört zu einem Signal aus der Signalbibliothek. Die Frist daneben sagt, wie lange der Vorgang als Anlass trägt. Danach ist er ein Zustand, und der Satz stimmt nicht mehr.
„Frau Berger, Sie haben im Mai die Vertriebsleitung übernommen, deshalb rufe ich an. Mich interessiert eine Sache an dem, was Sie dort vorgefunden haben. Zwei Minuten, dann wissen Sie, ob das für Sie einen Sinn ergibt."
Der Anlass steht im ersten Satz, die Quelle ist nennbar, und die Frist setzt der Anrufer selbst, nicht der Angerufene.
Wenn „deshalb rufe ich an" fehlt. Dann ist der Anlass Dekoration, und das Gespräch beginnt bei null wie jedes andere.
„Sie suchen gerade zwei Leute für den Außendienst. Ich rufe deswegen an, weil die Frage dahinter meistens nicht die Besetzung ist, sondern was die beiden am ersten Tag vorfinden."
Er benennt den Vorgang und geht sofort eine Ebene tiefer. Das ist der Beweis, dass jemand nachgedacht hat, nicht nur gefiltert.
Wenn daraus ein Angebot zur Personalsuche wird. Falscher Anlass, falsches Thema, und der Anruf ist beendet.
„Sie haben im Frühjahr die kaufmännische Leitung übernommen. Ich rufe an, weil in den ersten Monaten meist einmal alles auf den Tisch kommt und ich eine Frage zu einem der Punkte habe, die dabei oft liegen bleiben."
Er nutzt, was in dieser Phase ohnehin passiert, statt einen Bedarf zu behaupten, den es vielleicht nicht gibt.
„Ich wollte mich mal vorstellen." Damit ist der Anlass entwertet und der Anruf einer von vielen.
„Sie haben den Rahmenvertrag zugeschlagen bekommen, das stand vorige Woche im Vergabeportal. Deshalb rufe ich an: bei Laufzeiten in der Größenordnung ist die Kapazitätsfrage meist schneller da als die Freude. Wie sieht das bei Ihnen aus?"
Kurze Frist, hohe Dringlichkeit, und die Quelle ist amtlich. Der Anrufer nennt sie, statt sie zu verschleiern.
Der Glückwunsch als Einstieg. Er kostet fünf Sekunden und klingt bei einem Fremden nach Masche.
„Sie eröffnen in Leipzig. Ich rufe an, weil ein neuer Standort die Frage mitbringt, woher die ersten Kunden dort kommen und das ist selten dieselbe Antwort wie am Stammsitz."
Er beschreibt eine Folge des Vorgangs, die der andere selbst schon gedacht hat. Zustimmung entsteht, bevor etwas angeboten wird.
Wenn der Standort falsch ist. Ein Fehler im Anlass kostet mehr als gar kein Anlass, er zeigt, dass die Recherche nicht stimmt.
„Seit der Übernahme haben Sie zwei Vertriebsmannschaften mit zwei Vorgehensweisen. Ich rufe an, weil das erfahrungsgemäß der Punkt ist, an dem die Zusammenführung länger dauert als geplant."
Er spricht ein Problem an, das real ist und über das intern selten offen geredet wird.
Wenn es nach Besserwissen klingt. „Erfahrungsgemäß" trägt, „das läuft immer schief" nicht.
„Sie haben im Juni die Finanzierung abgeschlossen. Ich rufe an, weil damit in aller Regel auch die Zahlen nach oben geschrieben wurden und die Frage aufkommt, über welchen Weg die zusätzlichen Gespräche kommen sollen."
Er verbindet den öffentlichen Vorgang mit der Konsequenz, die intern gerade diskutiert wird.
„Jetzt haben Sie ja Budget." Das ist die Formulierung, nach der aufgelegt wird.
„Sie stehen im Ausstellerverzeichnis für November. Deshalb rufe ich jetzt an und nicht danach: was vor der Messe entschieden wird, ist meist wichtiger als das, was am Stand passiert."
Der Anruf begründet seinen eigenen Zeitpunkt. Das ist die stärkste Form, eine Frist zu setzen, ohne Druck zu machen.
Ein Anruf in der Messewoche. Dann ist niemand erreichbar, und der Anlass war richtig, der Zeitpunkt falsch.
„Sie sind auf ein neues CRM umgestiegen. Ich rufe an, weil in dieser Phase die Prozesse ohnehin einmal offen liegen und danach zwei Jahre lang nicht mehr."
Er benennt ein Zeitfenster, das der andere kennt und das sich nachweislich schließt.
Wenn die Quelle unheimlich wirkt. Wer den Quelltext einer Website ausgewertet hat, sagt „Ihre Seite bindet es ein", nicht „wir haben festgestellt".
„In Ihrem Segment ist ein Anbieter ausgefallen. Ich rufe an, weil dessen Kunden gerade suchen und weil das ein Zeitfenster ist, das sich in ein paar Wochen wieder schließt."
Ein echtes, datiertes Zeitfenster, und der Nutzen liegt beim Angerufenen, nicht beim Anrufer.
Den Wettbewerber beim Namen nennen und die Lage auskosten. Das fällt im deutschen Mittelstand auf den Anrufer zurück, und die Branche ist kleiner, als sie aussieht.
„Ihre Seite gibt es seit Kurzem auf Französisch. Ich rufe an, weil der Markteintritt damit beschlossen ist, die Liste, wen man dort anspricht, aber meistens noch nicht existiert."
Er trennt sauber zwischen dem, was sichtbar entschieden ist, und dem, was daraus folgt und noch offen ist.
Wenn die Sprachfassung schon zwei Jahre existiert. Vor dem Anruf prüfen, seit wann, nicht nur ob.
„Ihr Abschluss steht seit April im Bundesanzeiger, und das Wachstum kam erkennbar nicht aus mehr Vertriebsleuten. Deshalb rufe ich an: das ist genau die Frage, über die ich mit Ihnen sprechen möchte."
Die Quelle ist amtlich und öffentlich, und die Beobachtung zeigt, dass jemand die Zahlen tatsächlich gelesen hat.
Eine Zahl aus dem Abschluss falsch wiedergeben. Bei Zahlen aus dem eigenen Haus verzeiht niemand einen Fehler.
Der Anlass gehört auch in die Dokumentation, nicht nur ins Gespräch. Was der Anrufer sagt, ist die eine Hälfte. Die andere ist die Zeile im System: welcher Vorgang, welche Quelle, welcher Zeitstempel, welcher Bezug zum Kerngeschäft. Ohne sie lässt sich ein halbes Jahr später nicht mehr sagen, warum dieses Unternehmen an genau diesem Tag angerufen wurde.
03, Das durchgespielte Beispiel
Anlass 04 aus der Liste oben, gegen das Konto aus der Signalbibliothek. Konstruiert, aber in der Länge und im Ton, in dem es tatsächlich läuft.
„Herr Lange, mein Name ist Niklas Rabanus von Signalakquise. Sie haben vorige Woche den Rahmenvertrag zugeschlagen bekommen, das stand im Vergabeportal, deshalb rufe ich an. Zwei Minuten, dann wissen Sie, ob das für Sie einen Sinn ergibt."
„Wir haben da eigentlich alles besetzt. Und ehrlich gesagt bekomme ich solche Anrufe jeden Tag."
Der Einwand kommt fast immer, und er ist keine Ablehnung. Er ist die Aufforderung, den Unterschied zu zeigen.„Das glaube ich Ihnen sofort. Der Unterschied ist nur: ich rufe nicht an, weil Sie in einer Branchenliste stehen, sondern wegen der Ausschreibung von vorletzter Woche. Und meine Frage dazu ist eine einzige, wenn die Antwort ‚haben wir' lautet, sind wir in dreißig Sekunden fertig."
Der Anlass wird wiederholt, nicht verteidigt. Und das Gespräch bekommt eine Ausstiegstür, die der Angerufene selbst öffnen kann.„Gut. Was ist die Frage?"
Mehr ist an dieser Stelle nicht das Ziel. Der Einstieg hat seine Aufgabe erfüllt, wenn die Frage gestellt werden darf.Diese Ressource stammt aus der Werkstatt von signalakquise.de, signalbasierte Neukundenakquise: bezahlt wird der Termin, nicht der Versuch.
Zum Nachschlagen: Die 76 Kaufsignale mit Quelle und Frist