Die meisten kalten Nachrichten beschreiben, was der Absender anbietet. Der Empfänger hat aber kein Angebotsproblem, sondern ein Arbeitsproblem. Diese Ressource zeigt den Bauplan einer Nachricht, die beim Problem beginnt und die vier Stellen, an denen sie regelmäßig kippt.
01, Die Einordnung
Eine kalte Nachricht konkurriert nicht mit anderen Anbietern, sondern mit dem, was der Empfänger sowieso vorhatte. Sie gewinnt nur, wenn sie in den ersten beiden Zeilen etwas benennt, das er als seines wiedererkennt. Alles danach entscheidet nur noch über die Höflichkeit der Absage.
Deshalb ist die Reihenfolge Beobachtung, Folge, Frage und nicht Vorstellung, Angebot, Bitte. Die zweite Reihenfolge fühlt sich beim Schreiben richtig an, weil sie der Logik des Absenders folgt. Sie folgt nur nicht der Logik des Lesenden.
Wir bieten kalte E-Mail als Kanal nicht an. Diese Ressource steht unter „Wissen“, weil derselbe Bauplan für jede schriftliche Erstansprache trägt: für die Nachfassung nach einem Anruf, für die Bestätigung eines Termins, für die Nachricht an einen Bestandskunden.
02, Das Werkzeug
Die Beobachtung. Ein Vorgang, den der Empfänger selbst ausgelöst hat, mit Zeitbezug. Keine Schmeichelei, kein „ich verfolge Ihr Unternehmen schon länger“.
Die Folge. Was aus diesem Vorgang üblicherweise entsteht, als Vermutung formuliert, der man widersprechen kann. Hier entscheidet sich, ob der Absender die Branche kennt.
Die Frage. Eine Frage, die nur der Empfänger beantworten kann und die nicht auf Ja oder Nein hinausläuft. Sie ist der eigentliche Handlungsaufruf.
Der Abgang. Ein Satz, der die Absage leicht macht. Wer den Ausstieg anbietet, bekommt häufiger eine Antwort als wer ihn verstellt.
„Mein Name ist … und wir helfen Unternehmen wie Ihrem dabei, ihre Vertriebsprozesse zu optimieren und planbar mehr qualifizierte Termine zu generieren. Unsere Kunden erzielen dabei durchschnittlich … Hätten Sie kommende Woche 15 Minuten Zeit für ein unverbindliches Kennenlernen?“, Der Empfänger erfährt nichts über sich.
„Sie haben Anfang des Monats zwei Stellen im Vertriebsinnendienst ausgeschrieben. In den meisten Fällen heißt das, dass die Anfragen schneller reinkommen, als sie sortiert werden. Woran hängt es bei Ihnen, an der Menge oder an der Reihenfolge? Wenn das Thema erledigt ist, sagen Sie einfach kurz Bescheid, dann höre ich auf.“
Die Betreffzeile ist der fünfte Satz, nicht der erste. Sie wird zuletzt geschrieben, aus dem, was in der Nachricht tatsächlich steht, vier Wörter, kleingeschrieben, ohne Ausrufezeichen, ohne Frage. Wer sie zuerst schreibt, schreibt eine Überschrift für eine Nachricht, die es noch nicht gibt.
03, Das durchgerechnete Beispiel
Ausgangslage: ein Anbieter von Prüfsystemen möchte einen Zulieferer ansprechen, der gerade einen Rahmenvertrag gewonnen hat. Konstruiertes Beispiel.
| Fassung | Wörter | Beginnt mit | Was fehlt oder stört |
|---|---|---|---|
| Erster Entwurf | 163 | der eigenen Firma | Drei Absätze über das eigene Angebot, ein Kundenzitat, zwei Links, Terminfrage am Ende. |
| Zweiter Entwurf | 97 | dem Vorgang | Der Vorgang steht vorn, aber die Folge ist noch allgemein („könnte Sie vor Herausforderungen stellen“). |
| Dritter Entwurf | 58 | dem Vorgang | Beobachtung, Folge, offene Frage, angebotener Ausstieg. Kein Link, kein Anhang, keine Signatur mit Bild. |
Die Kürzung von 163 auf 58 Wörter ist kein Stilmittel. Sie ist das Ergebnis davon, jeden Satz zu streichen, der etwas über den Absender sagt. Was übrig bleibt, ist entweder eine Beobachtung über den Empfänger oder eine Frage an ihn.
Warum ein guter Text trotzdem wirkungslos bleiben kann, steht in der Zustellbarkeit. Erst die Technik, dann der Text.
Diese Ressource stammt aus der Werkstatt von signalakquise.de, signalbasierte Neukundenakquise: bezahlt wird der Termin, nicht der Versuch.
Zum Nachschlagen: Die 76 Kaufsignale mit Quelle und Frist